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Weingläser bei einem Weintasting von 3Weine

Weinwissen

Warum das Weinglas den Geschmack beeinflusst

Ein bekannter Glasmacher bat einmal zu einer Sensorik Probe auf seine ganz eigene Weise: Er füllte unterschiedlich geformte Gläser aus seiner Trinkglas Kollektion und ließ seine Gäste das Weinaroma kosten. Die Gäste der Sensorik Prüfung verzogen bei dem einen Wein die Gesichter wegen der spitzen Säure, ein anderer wurde als zu süß empfunden und das dritte Weinaroma erschien wunderbar rund und ausgeglichen. Der Glasmacher freute sich – letztendlich sei das genau richtige Glas ausgewählt worden. Bei der merkwürdigen Verkostung handelte es sich um einen einzigen und denselben Riesling, der je nach eingesetztem Weinglas vollkommen anders schmeckte.


Sauer, süß, bitter oder salzig

Mal geradwandig, mal den Rand nach innen und mal nach außen gewölbt - die vielfältigen Formen der Gläser liefern tatsächlich ein jeweils unterschiedliches Weinaroma. Egal, ob Weisswein, Rotwein oder Rosé: Bei jedem der unterschiedlichen Gläser erreicht er zuerst einen anderen Teil der Zunge, und je nachdem, wie das rosige Organ gereizt wird, treten ganz unterschiedliche geschmackliche Empfindungen auf von sauer, süß, bitter oder salzig. Grundsätzlich ist diese Erkenntnis nicht zu widerlegen. Aber die Annahme, dass für jeden Wein stets ein anderes Glas genommen werden soll, ist recht übertrieben. Vielmehr wird ein Snobismus erkennbar, der mit Weinkennerschaft nicht viel zu tun hat: Wer glaubt, er müsse für Chardonnay und Riesling oder für Bordeaux und Burgunder jeweils andere Gläser haben, der hat womöglich zu viel Geld oder zu viel Platz im Schrank. Wenn Sie nicht nur einen ersten Schluck genießen, sondern eine Weinparty fröhlich feiern, kommt es auf die Form vom Trinkglas nicht mehr so sehr an - die Zunge hat sich auf den jeweiligen Reiz längst eingestellt und es ist egal, ob ein einfaches Glas gefüllt ist oder ein 60-Euro-Kristallglas funkelt.

Flamingobeine?

Klar, das Auge will ein bisschen mittrinken – aber jenseits jeder Design-Sucht. Wenn sich Weinliebhaber ansehen, was Glasdesigner zuweilen entwerfen, fragen sie sich, ob dem Künstler Zusammenhänge von Form und Funktion gänzlich unbekannt sind. Da gibt es hauchdünne Kreationen, langstielig wie Flamingobeine, auf allerzierlichsten Füßchen stehend, nichts als wunderschön und überaus zerbrechlich, zum Trinken wenig und zum anschließenden Spülen schon gar nicht geeignet. Fraglich ist, ob der Entwerfer jemals eines seiner Gläser selbst gespült hat …

Wie Cäsar

Vielmehr gibt es seit uralten Zeiten zwei immer wiederkehrende Grundformen. Diese Gläser haben sauber geschliffene Ränder, sind klar und ungefärbt. Schon Cäsar trank seinen Weisswein aus einem apfelförmigen Kelch und den Rotwein aus einem größeren konischen, sich nach unten verjüngenden Weinglas. Dazu ein nicht zu langer Stiel, gerade gut, um ihn anzufassen – der Stiel verhindert, dass sich der Wein in der Hand erwärmt, dass Fingerabdrücke die Klarheit des Glases verletzen und außerdem ist das Glas schön standhaft. Wenn es einmal umfällt, zerbricht es nicht gleich; zudem lässt es sich leicht trocknen und polieren.

Also: Das ideale Weinglas hat eine schöne, schlichte Form. Eine ganz dezente Gravur kann das Funkeln des Weins ein wenig verstärken. Aber das Wichtigste ist: Man muss es benutzen wollen!