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Bicking & Bicking

eine Sache zwischen Brüdern

„Wir machen bei 3 Weine mit, weil das Konzept einmalig ist und wir den besonderen Umgang mit Kunden schätzen. Jeder soll selbst entscheiden, was ihm schmeckt. Und nur das gilt es herauszufinden.“

Ein Besuch bei den Bicking-Brüdern ist besonders. Es ist das Zentrum des Gräfenbachtals an der Nahe und in den Straßen ist es mucksmäuschenstill. Es ist trocken, heiß, und um den wilden Wein am Eingangstor der Bickings fliegen die Schmetterlinge.


Auf dem Hof wachsen Johannisbeeren und Walderdbeeren zieren die sonnigen Winkel des alten Gutshauses. Auch hier bleibt es ruhig wenig beredsam, wenn Lukas und Achim von ihrer Geschichte erzählen.

Achim: „Wir kommen ursprünglich aus der Nord-Pfalz und waren dort im elterlichen Weingut tätig. Das wollten wir eigentlich übernehmen, aber das hat dann zum Schluss nicht mehr gut geklappt. Und zum letzten Jahreswechsel haben wir dann einen Cut gemacht.“

Riesling von Bicking & Bicking

Dieser Betrieb gehört unserem Stiefvater, unsere Mutter hatte eingeheiratet. Er hatte keinen Nachfolger und meinte: „Ihr könnt gerne übernehmen, aber bitte sofort“. Das haben wir dann gemacht. In Gauersheim in der Pfalz haben wir bereits 2014 eine eigene Linie aufgebaut, die schon einen sehr eigenen Stil hatte.

Vorbei stapft ein freundlicher Mann, der winkend grüßt – Lukas und Achims Stiefvater. Ihr Vater führt den Gauersheimer Betrieb derweil weiter.

Achim: „Unser Vater hatte einfach andere Vorstellungen gehabt, vor allem von der Art und Weise des Wirtschaftens. Ich möchte nicht, dass meine Kinder mich später einmal fragen, weshalb sie unseren Betrieb noch immer abbezahlen müssen. Das geht auch anders, und auf diese andere Weise haben wir uns etwas ziemlich Schönes aufgebaut. Natürlich müssen wir in diesen Betrieb auch investieren. Aber das können wir genau so machen, wie wir das für richtig befinden; und auch die Weinberge bestellen wir, wie wir das möchten. Das ist viel Wert.“

Lukas: „Vieles, womit man hat arbeiten können, gab es im Betrieb unserer Eltern – aber es war eben auch vieles vorgegeben. Und zwar auf eine Art, die wir uns anders vorgestellt haben. Da war beispielsweise die väterliche Abneigung gegen Bio-Anbau. Wir haben einfach bemerkt, dass mehr auf Masse abgezielt wurde, als auf eine klare Linie im Weinstil.“

Bicking & Bicking ist fürwahr nicht der erste Betrieb, in dem sich die elterliche Philosophie von jener der nachkommenden Generation deutlich unterscheidet. Aber bestimmt sind Sie ein prägendes Beispiel dafür, was passiert, wenn auch Diskussion und Streit nicht helfen wollen – ob im Berg oder im Weinkeller.

Lukas: „Mit dem Vater haben wir durch diese Diskrepanzen leider überhaupt keinen Kontakt mehr. Die Mutter steht hinter uns.“

Achim: „Reibereien gibt es ja immer, gerade wenn man innerhalb der Familie arbeitet. Aber wenn die Ziele so weit auseinander liegen, sind die Wege eben auch verschiedene. Reibung an sich ist kein Problem, im Gegenteil. Wenn man sich an manchen Stellen in zwei Positionen verheddert, wenn beide nach Lösungen suchen, ist das ein guter Weg um weiterzukommen. Das kriegen wir beide ganz gut hin.“

Auch geschmacklich klappt es ganz gut zwischen den Brüdern und man ist sich zumindest in den wichtigen Dingen einig.

Lukas Bicking

Achim: „Wir machen trockene und mineralische Weine, die auf dem Boden entstehen und seine Geschichte erzählen.“

Lukas: „Trotzdem arbeiten wir gern mit Holzfässern und der Reife die der Wein durch sie erlangt.“

Auf 8 Hektar Fläche mit zum Teil 40-jährigen Reben holen sich die Brüder gerade einmal zwei Helfer für´s Wochenende. Im September. Man muss es ihnen lassen, sie arbeiten einfach sehr gerne, gradlinig und genau. Sie sind jung, haben gelernt, was sie nicht wollen und jetzt das gefunden, worin sie gut sind: Weinkreation.

Achim: „Wir sind ja nun wirklich noch sehr jung und haben einen Weinstil eingeschlagen, den man beobachten muss, und zwar über Jahre. Wir müssen unseren Betrieb zunächst so klein betreiben, dass es reicht, wenn zwei Menschen im Keller stehen und zwei im Berg. Wir bekommen unseren Wein sonst selbst nicht mit, und genau darum geht es in den ersten Jahren. Zwar sind wir schon jetzt sehr zufrieden, aber das wird noch richtig interessant.“

Lukas: „Auch das Thema „Bio“ braucht Zeit, um damit umgehen zu lernen. Das muss Schritt für Schritt gehen, wir müssen jeweils überlegen, ob das der richtige Weg zum Ziel ist oder vielleicht doch ein anderer. In diesem Betrieb haben wir die Möglichkeit, das herauszufinden. Zum Beispiel durch den Verzicht auf Herbizide oder die Lagerung in Holzfässern, all das braucht Zeit und Geduld. Im nächsten Jahr wollen wir es wagen, biologisch zu spritzen.“

Geduld haben die Brüder. Achim wünscht sich, dass seine Kinder auch einmal in den Weinbergen stehen und Wein machen. Aber man weiß nie. Und es dauert ja auch noch ein wenig.

Achim: „In unserer Heimat in Gauersheim haben die Eltern immerhin auch gedacht, wie übernähmen den Betrieb. Und es kam anders. Das hier ist es totaler Neuanfang und wir müssen sehen, was passiert“

Lukas: „Wir sind sehr zufrieden damit, wo wir gerade stehen. Und wollen doch noch viel mehr. Dass wir beim Wein landen würden, stand eigentlich seit je her fest. Und wo kann man schon abwechslungsreich arbeiten wie hier?“

Wirklich nirgendwo. Das kann man nach einem Treffen bei den Bicking-Brüdern ganz umfassend sagen. Selten kollidiert die Familiengeschichte mit einem Traditionsgeschäft so sehr, selten geht eine Partei so besonnen und bekräftigt in den eigenen Vorstellungen damit um. Man sollte es mit Lukas und Achim Bicking halten, wie sie mit ihrem Wein: ganz genau beobachten. Denn „das wird noch richtig interessant.“

Text: Juliane E. Reichert